Ausstellung 16. Mai. 2015. – 20. Juni 2015

Theo Kuijpers • »Australienreise 2009«

Theo Kuijpers, 1939 in Helmond in der Provinz Nordbrabant geboren, studierte an der Akademie für industrielle Formgebung in Eindhoven. Seinen Militärdienst absolvierte er von 1962 bis 1963 in Suriname, das zu Niederländisch-Guayana gehört. Zurück in Brabant verarbeitete er seine in Südamerika gewonnenen Eindrücke eines ersten Kontakts mit einer fremden Kultur in seinen Bildern. Ab diesem Zeitpunkt entwickelte er eine eigene Methode für sein Vorgehen. Zunächst waren da die verschiedenen Reisen unter anderem nach Marokko, Australien, Italien, Frankreich und Island. Was von den fremden Kulturen und den dort gewonnenen Impressionen Bestand hatte, wurde als Essenz in klaren Formen und Farbgebungen festgehalten. Anfänglich fühlte Kuijpers sich als ein Materialkünstler in der Tradition von Antoni Tàpies stehend, dem bedeutenden Vertreter des spanischen Informel, etwa wenn er zum Beispiel in seinen Bildern aus Marokko eine Sandstruktur mit Pigmenten vermischt auf die Leinwand bringt. Doch im Laufe der Jahre entwickelte er sich mehr und mehr zu einem abstrakten Maler, gleichwohl er im Grunde ein Konstruktivist geblieben ist. Er selbst sagt von sich, daß er seine Arbeiten nach wie vor 'baue', so als ob er über Architektur nachdenken würde. Seine Werke befinden sich z.B. im Stedelijk Museum in Amsterdam und Van Abbemuseum in Eindhoven, sowie in zahlreichen Sammlungen im In- und Ausland. Im Jahre 2009 unternahm Kuijpers zum dritten Mal eine Reise nach Australien. Die Ausstellung seiner Werke stellt für ihn auch immer ein visuelles Ergebnis seiner Aufenthalte in Australien sowie gleichzeitig einen wichtigen Ausgangspunkt für sein weiteres Schaffen dar. Erinnerungen an seine Impressionen sind seit fast 50 Jahren die Hauptideengeber seiner Werke. Während früher Motive der Architektur dominierten, sind die neueren Arbeiten stärker von der Landschaft beeinflußt. Begrifflichkeiten wie Regenwald, Buschlandschaft im Morgenlicht, Bäume und Strauchwerk mischen sich in die Titel seiner Bilder. In seiner Malerei erforscht Kuijpers das Feld zwischen Figuration und Abstraktion. Das Gefühl für die orangeroten Sandebenen oder die Dichte des australischen Outbacks gipfelt in kraftvollen Farbgebungen, archaischen Formen und ungewöhnlichen Materialien. In seiner Oberflächenbehandlung zeigt er bisweilen eine starke haptische Qualität. Kuijpers benutzt die Bildoberfläche nicht als einen rein neutralen Untergrund, vielmehr erzeugt er mittels Materialeinbringung und pigmentierter Überarbeitung die Wirkung einer unüberschaubaren, im Untergrund verborgenen Oberfläche. Bevor er mit diesem Arbeitsprozeß beginnt, überzieht Kuijpers den Bildträger zunächst mit Zelttuch oder anderen fabrikmäßig hergestellten Stoffen, wobei das Sichtbare der Nähte und andere stoffliche Verdickungen, zum Beispiel durch Fixierung von Bindfäden, durchaus bereits zum künstlerischen Prozeß der ersten Schichtung gehören. Während des Malprozesses berücksichtigt der Künstler diese „Naht“-Landschaften, die in den fertigen Werken sichtbar bleiben sollen. Die Äste und Zweige, die Kuijpers zu geometrischen Formen verflechtet und auf die Oberfläche setzt, unterstreichen den Strukturcharakter der Objekte in einem noch höherem Ausmaß. Diese Astwerke wiederum dynamisieren ihrerseits in ihrer lebhaften rhythmischen Qualität seine Pinselstriche. Auch in der Wahl der Farbe und der Verwendung von ausdrucksstarken Zeichen huldigt Kuijpers der Faszination, die für ihn von der Kunst der Aborigines ausgeht. Zuweilen werden die Weidenstöcke noch zusätzlich mit Leinenstreifen umwickelt und variieren somit die taktile Haptik, so beispielsweise in der Arbeit „twelf men and a boat“ von 2009, dessen Bogenformen die Funktion von Symbolen erreicht haben. Für die Aborigines steht die übergreifende Bogenform für das Zeichen 'Sitzen' – dies erklärt zusammen mit der ovalen schiffförmigen Struktur am unteren Bildrand den Titel. Die ebenfalls wiederkehrenden Kreismotive, gemalt oder mit biegsamen Holz geformt, können sich auf die Grenzen eines natürlichen Lebensraums beziehen, wie etwa bei der Magie eines heiligen Ortes oder als Symbol für das Gatter einer Viehherde. In seinem gesamten Oeuvre huldigt Kuijpers der Kunst und Kultur der Naturvölker. Sechs Wochen verweilte der Künstler bei den Aborigines, konnte ein wenig in die rituale Geschichte der Ureinwohner eintauchen, war fasziniert von der geheimen Baumrindenmalerei. Es werden keine speziellen Gottheiten verehrt, sondern die Welt als Ganzes, unendliches Wesen betrachtet. Material, Form und Farbe spiegeln dieses Ganze wider.


Michael Wessing

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