AUSSTELLUNG 11. Mai – 22. Juni 2013

Klaus Berends • Neue Arbeiten

Klaus Berends, 1958 geboren in Papenburg, besuchte die Hochschule für Musik & Kunst in Bremen (HFMK). Er lebt und arbeitet auf Fuerteventura und in Berlin.
1986 schuf er als seine Abschlußarbeit eine künstlerische Gestaltung zu Beckett – „Der Verwaiser“.
Samuel Beckett (1906 – 1989) verfaßte die Erzählung „Le Dépeupleur“ 1970. Der Leser schaut dabei in einen Zylinder mit einem Umfang von fünfzig Metern und sechzehn Metern Höhe. Die Wände bestehen aus Hartgummi. In diesem unentrinnbaren Raum bewegen sich die Menschen nach bestimmten Regeln. In seiner Parabel hat Beckett „die Suche nach dem Sinn der Welt oder nach dem Rätsel des Daseins als eine dem Menschen geläufige, aber fruchtlose Suche dargestellt“ (Antwort Becketts auf zwei Fragen über das „Endspiel“, in: Materialien, Frankfurt a.M. 1970). Aussage und Materialität dieser Erzählung scheinen sich im Werk von Klaus Berends abzubilden.
Seit 1984 zeigt Berends seine Werke in Gruppenausstellungen, ab 1985 folgen Einzelausstellungen, 1988 seine erste auf Fuerteventura. Zu seinen Projekten zählen ebenfalls Film- und Fernsehbeiträge für den NDR (Barco de Luz, 1999), das ZDF („Ihr seid das Salz der Erde“, 2001) sowie dem ersten spanischen Fernsehen (2012). Seine Arbeiten befinden sich in zahlreichen Sammlungen in Spanien und Deutschland.
Das Element Luft nimmt in Berends‘ Arbeiten einen breiten Raum ein. Luft, die wir alle brauchen um zu existieren. Luft, die wir brauchen als Raum, der uns umgibt. Bei Berends wird die Luft in große Schläuche gepumpt, eingesperrt und in entsprechende artifizielle Strukturen gebracht. Seinen Arbeiten gibt er doppeldeutige Titel wie „Luftreserve für eine missratene Möbiusschleife, Modell: Kiss me Kate, 2013“, „Luftreserve für Politiker, Modell: Aussitzen, 2009“, „Luftreserven für einen Empörten, Homage á Stefan Hessel“, „Luftreserve: Airbag I“ oder „Domestizierte Luftreserve, Modell: Luft für Drei“ tragen.
Die bis zu zwei Meter großen Gummischläuche werden zum Beispiel in die Form einer Möbiusschleife gebracht und auf einem Fundobjekt, hier einem Aluminiumblech, präsentiert. Die Möbiusschleife besitzt eine zweidimensionale Struktur, die nur eine Kante und eine Fläche hat. Sie ist nicht orientierbar, daß heißt, man kann nicht zwischen unten und oben oder zwischen innen und außen unterscheiden. Oder der Schlauch wird in einen Stuhl ohne Sitzfläche, auch ein objet trouvé, gequetscht. Eine sinnfällige Darstellung der Tätigkeit des Aussitzens von Situationen bei Politikern. Weitere Veränderungen erfahren die Schläuche, wenn sie in eine geöffnete Espresso-Maschine gedrückt werden oder zur Hälfte in eine Pappkartonage verschwinden und ironisch als „Luftpaket“ (Airbag) bezeichnet werden.
Bei der Arbeit „Homage á Stefan Hessel“ handelt es sich um eine Würdigung des gebürtigen Berliners Stéphane Hessel (geb. 1917), der Mitglied der Résistance war, das KZ Buchenwald überlebte und Mitautor der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen war. 1910 erregte er Aufsehen mit seinem Essay „Empört Euch!“, einem Aufruf zum friedlichen Widerstand gegen die Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft. Er starb am 27. Februar 2013 in Paris.
Wie bei Beckett die Menschen eingesperrt sind, so wird die Luft eingesperrt und in Form gebracht. Es werden aber auch diese Schläuche wiederum in Stellagen oder Formen gebracht wie die Menschen eben auch. Manifestationen und Begierden des Überlebens werden ins Gegenständliche übersetzt.


Michael Wessing

 

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