Christoph Gesing • Malerei

Christoph Gesing wird 1956 in Herne geboren. Sein künstlerisches Interesse wird bereits durch die Familie geprägt: sein Vater, Jupp Gesing, war Glasmaler, sein Onkel Bildhauer.
Von 1976 bis 1983 studiert Christoph Gesing an der Kunstakademie Düsseldorf bei Gerhard Richter und Erwin Heerich, dessen Meisterschüler er wird. Ab 1983 folgen zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen. 1999/2000 arbeitet Gesing an einem Kunst-am-Bau-Projekt auf der Zeche Ickern in Castrop-Rauxel. Ab 1998 bis 2001 übernimmt er einen Lehrauftrag an der Kunstakademie in Münster. 2003 erhält er ein Arbeitsstipendium der Kulturstiftung Rheinland-Pfalz und arbeitet von 2004 bis 2007 an dem Projekt „Antlitz“ für das Bildungswerk der Erzdiözese Köln.
Gesing lebt und arbeitet in Köln.

Das Œuvre Christoph Gesings umfasst drei Bildgruppen: die Acryl-Bilder, die Arbeiten auf Holz mit Lack und Dispersionsfarbe sowie die Glasbilder.
Als Vorzeichnung dient ihm eine Gouache, die in ihrer Farbigkeit schon die geometrische Struktur und Tonigkeit der späteren Arbeit anlegt. Einzelne Arbeitsschritte, in denen Gesing die gewünschte, angemischte Farbvariante auf Partien der Leinwand schüttet, werden beständig kontrolliert. Paßt zum Beispiel zu einer türkisfarbig angelegten Fläche ein gelbes Rechteck oder harmoniert etwa als vermittelnde Korrespondenz ein mit schwarz abgetöntes Weiß?
Um die endgültige Binnenstruktur zu erzielen, sind mehrere Schritte nötig. Nach dem ersten Farbauftrag wird die Leinwand auf kleinen Klötzchen schräg aufgelegt. Um den Verlauf der zweiten Farbe zu beeinflussen, wird die Leinwand gänzlich auf die Seite gestellt, so daß sich durch das Ablaufen der verdünnten Farben gleichmäßig hellere und dunklere Partien ergeben. Dabei überrascht sich der Künstler, nach eigenen Aussagen, immer wieder selbst. Trotz des über die Jahre erreichten Perfektionismus` sind auftretende „Farbnasen“ oder ungewollte Verläufe bei dieser Arbeitsweise ein Risiko, mit dem er leben kann.
In Gesings Formensprache nehmen Begriffe wie Tor und Tür einen großen Raum ein. Die Arbeiten werden „Gartentor“ oder „Tür 1 – 6“ betitelt, was seinen Ausdruck auch in den Formaten - 200 cm x 90 cm bzw. 100 cm oder 180 cm x 110 cm – findet.
Durch die Farbwahl, die in diesen Beispielen nicht seitwärts, sondern horizontal verläuft, erreicht der Künstler eine soghafte, tiefenräumliche Wirkung, dem sich das Auge des Betrachters nicht entziehen kann.

Die Wahl dunkler Farbnuancen erzeugt die Vorstellung von Dantes Blick in die Vorhölle, oder, wie Gesing das Bild betitelt, „Descent into Limbo“, Abstieg in den Limbo. „Limbo“, der karibische Tanz, zwingt die Tänzer unter einer waagerechten Stange mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad in immer tiefere Körperhaltungen. Die Stange entspricht dabei der waagerechten Sehachse des Beschauers, die Augen werden heruntergeführt in die Tiefen der Farben.

In Gesings neueren Arbeiten setzt sich das Prinzip von Kastenstrukturen fort, indem die Farben sich mehr in der Horizontalen verbreiten und lediglich zwei Farben eingesetzt werden.
Wieder wird die erste Farbe monochrom aufgetragen und darüber die zweite geschüttet. Bei diesen als „Twins“ bezeichneten Bildern harmonieren die Farben entweder auf klassische Weise miteinander, oder aber sie haben etwas trennendes, wenn etwa ein unverdünntes, leuchtendes Gelb unmittelbar an ein transparent erscheinendes Grün stößt. Dieses „Zwillingshafte“ besticht manchmal durch grelle Intensität, dann wieder durch fließende Gelassenheit.

Michael Wessing

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