AUSSTELLUNG 29. Juni 2013 – 17. August 2013

Juan del Rio • Neue Arbeiten

Juan Alberto del Rio wurde 1956 in Buenos Aires geboren. Er studierte dort an der Staatlichen Kunstakademie „Prilidiano Pueyrredon“, benannt nach dem Maler, Architekten und Ingenieur Pueyrredón (1823 – 1870). Sein Studium schloß er mit dem Examen als Lehrer für bildende Kunst der Sekundarstufe und an Fachschulen für Bildende Kunst ab.
Nach Deutschland kam Juan del Rio durch eine Ausstellung der Deutschen Bank 1987 aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Deutschen Bank in Argentinien. Vier ausgewählte Künstler präsentierten in Buenos Aires, Frankfurt/M., München, Berlin und Hamburg ihre Werke.
Der Besuch bei seinem Zwillingsbruder, der Musiker ist, brachte ihn nach Münster, wo er später seine erste Einzelausstellung 1991 in der Galerie Clasing hatte. Nach kurzen Aufenthalten in Argentinien, kam er 1994 wieder zurück nach Münster. Hier lernte er seine Frau Maria Langenstroth kennen, mit der er ein gemeinsames Atelier in der Ateliergemeinschaft Schulstraße e.V. hat.
Seit 1975 hat Juan del Rio diverse Einzel- und Gruppenausstellungen, etwa in Buenos Aires, Montevideo, Siegen und Münster. Werke von ihm befinden sich u.a. im „Museo de Bellas Artes Fundacion Hugo Irureta“, Tilcara, Provinz Jujuy, Argentinien.
Die Werke Juan del Rios bewegen sich zwischen Materialarbeiten, Collage und klassischer Malerei mit Acryl und Öl auf Pappe. Auffällig sind zunächst die Stillleben im Stil der Impressionisten wie etwa Manet, Degas, Cézanne oder der junge van Gogh. Da erscheinen Arrangements mit Äpfeln, Trinkgläsern, Pfeifen, Wasserkanne und Tasse, Vase und Flechtstuhl. Aber auch Biografisches schwingt in diesen Bildern aus den Jahren 2008 bis 2012 mit. Beispielgebend hierfür sei eine über einem Stuhl aufgehängte blaue Matrosenjacke seines Vaters, mit der Juan nach Deutschland kam, oder die Taschenuhr seiner Großmutter Lucia. Bildaufbau, Stilrichtung und lebhafte Farbnuancierung determinieren einen Teil der Arbeiten von Juan del Rio, die auch durchaus expressivere Züge annehmen können, wie etwa bei dem Bild „Interieur mit Kopf“ von 2010.
Darüber hinaus entwickelt Juan del Rio in seinen Collagen und Objekten ein starkes Gespür für Materialität. Für seine kleinen Schiff-Objekte – die ab 1997 entstehen - sammelt er u.a. aus der Rahmen-Werkstatt der Galerie Clasing übriggebliebene Profilhölzer und andere Holzreste. Aber auch Korken, Flaschenverschlüsse, Federn, Bindfaden, Schrauben oder kleine Holzkugeln und -würfel finden ihren Weg zu einer neuen künstlerischen Verwendung. Ebenso ein etwa 50 Jahre alter Malkarton aus Frankreich, dessen grauer Farbton del Rio zu einem Hintergrund für eines seiner Bilder inspiriert oder Rahmenreste eines Türelements mit seinen abgeplatzten Farbspuren dienen als Träger neuer Arbeiten.
Die Liebe zu Material und Farbe spiegelt sich auch in der kunstpädagogischen Tätigkeit Juan del Rios wider, wenn während des Unterrichtes in zahlreichen Schulen und Museen mit Projekten wie „Atelier in der Schule“, „Kunst – mit Hand, Herz und Kopf“ oder „Wir sind unsere eigenen Lehrer“ auch für ihn selbst artifizielle Arbeiten im Bereich Malerei, Zeichnung und Plastik entstehen.

Michael Wessing

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