Fritz Levedag • Arbeiten aus dem Nachlaß

 

Fritz Levedag wurde am 15.5.1899 in Münster geboren. 1913 tritt er in das elterliche Geschäft ein; der Vater ist Handwerks- und Gildemeister. Während des 1. Weltkriegs ist er Soldat in Frankreich und Belgien.
1922 besucht Fritz Levedag die Handwerkerfachschule in Stuttgart, wo er auf Ferdinand Hodler und Emil Nolde trifft. Frühe malerische und bildhauerische Studien beweisen sein Talent. 1923 nimmt er Unterricht an einer privaten Zeichenschule in München. Von 1924 bis 1926 studiert er an der Kunstakademie in Düsseldorf und wird Meisterschüler von Professor R. Langer für klassische Bildhauerei.
Von 1926 bis 1929 folgt ein Studium am Bauhaus Dessau bei Paul Klee und Wassily Kandinsky, nachdem er zuvor 1925 in Düsseldorf eine Ausstellung moderner Kunst mit Werken dieser Künstler gesehen hatte, die ihn nachhaltig beeinflussen sollten. 1929 erfolgt die Übersiedlung mit Walter Gropius nach Berlin, wo er in dessen Büro als Architekt arbeitet. Levedag wird 1930/31 freier Maler in Berlin, und hat seine erste Ausstellung im „Sturm“. 1932 folgen mehr als 30 Ausstellungen u.a. in Münster, Dortmund und Essen. 1933 werden seine Werke nach einer Ausstellung im Folkwangmuseum als „entartet“ eingestuft. 1934 folgt ein Studienaufenthalt in Paris. Von 1934 bis 1939 lebt Levedag in Düsseldorf, 1939 in Braunschweig.
Während des 2. Weltkriegs wird Levedag in Norwegen, Schweden, Rußland und Jugoslawien an der Front eingesetzt, wo er schwer verletzt wird.
Bereits 1942 heiratet er Marie Josée Gräfin von Plettenberg, die nicht nur die materielle Sicherheit bietet, sondern auch zum wichtigsten künstlerische Gesprächspartner wird. Seit 1946 ist seine Zuhause in den Ruinen des Schlosses Ringenberg bei Wesel, wo er am 28.10.1951 stirbt.
Obwohl sich die Schaffensphase von Fritz Levedag durch zwei Weltkriege und extrem wirtschaftliche und soziale Unruhen auf wenige Jahre zusammendrängt, hinterließ der Künstler dennoch ein umfangreiches Werk an Gemälden und Zeichnungen, auch eine fragmentarisch erhaltene Form- und Farbtheorie, die er seinen Bauhauslehrern verdankt.
Aus den drei Grundformen Kreis, Quadrat und Dreieck entwickelt er eine geradezu enzyklopädische Beziehung aller Formen zueinander, die sein ganzes künstlerisches Schaffen prägt. Die großen Konvolute seiner Zeichnungen offenbaren dabei den ganzen Kosmos seiner künstlerischen Denk- und Arbeitsweise. In großer Produktivität entwickelt Levedag seine bildhafte Sprache von Zeichen und Symbolen, mit der er die Struktur der „reinen“ Natur von Mensch, Tier und Botanik schafft. Dazu hat Levedag einmal formuliert: „Der Künstler ist nicht mehr Nachahmer, sondern ist Schöpfer, ist geistig freier Mensch geworden.“
Figuren, Formen, Bewegungen – das sind für ihn werkimmanente Begriffe einer Grammatik, die wir in der Vielzahl seiner farbigen und schwarz-weißen Zeichnungen als einen Weg seiner analytisch-synthetischen Arbeitsweise und Sprachwelt wahrnehmen. „Die Maurermeisterin“ (1934), „König Bambula“ (1936), „Bandoniumspieler“ (1945), „Mutter und Kind“ (1946), „Vorübergehende“ (1946), „Roter Kopf I“ (1946) oder „abstrakte Miniatur“ (1950) sind dabei nur Titel, die dem Betrachter lediglich Hilfestellungen anbieten.
Levedags Formen- und Farbenwelt bedeutet ein unbegrenztes Suchen nach Bauelementen der Kunst. Seine Bilder sind kreative Versuche, diese Baumaterialien zum Ganzen zu verarbeiten durch Zusammenfügen und Differenzieren dieser Elemente. Struktur und Ordnung, also innere Organisation und Gefüge komplexer Gebilde, sind dabei für Levedag wichtige formale Elemente seiner künstlerischen Formarbeit.


Michael Wessing

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