Maggy Kaiser • Neue Arbeiten

Maggy Kaiser wurde 1922 in Mulhouse, Frankreich, geboren. Ihre künstlerische Ausbildung begann sie 1946 an der Ecole Supérieure des Arts Décoratifs de Strasbourg. Später ging sie nach Paris, wo sie u.a. Künstlerpersönlichkeiten wie Jacques Villon, Fernand Léger, Arpad Szenes, Alexander Calder, Mario Prassinos und Germaine Richier traf.
Mit der portugiesischen Künstlerin Maria-Helena Vieira da Silva (Lissabon 13.7.1908 – 6.3.1992 Paris), die 1928 in Paris bei Léger studierte, war sie eng befreundet, aber besonders einflußreich auf ihr künstlerisches Schaffen war die Arbeit und Freundschaft mit Alberto Magnelli (Florenz 1.7.1888 – 20.4.1971 Meudon).
Magnelli war Autodidakt. Seine künstlerische Arbeit setzte 1907 ein, in einer der aufregendsten Zeiten der Avantgarde-Bewegungen Europas, an der Schnittstelle zwischen Kubismus – er lernt Picasso und Léger 1914 in Paris kennen -, Expressionismus, Orphismus und früher Abstraktion. Bereits in seinen ersten Gemälden zeigt sich diese neue abstrakte Richtung, die später für Maggy Kaiser einen großen Einfluß auf ihre Kunst haben wird – heute gilt er als Hauptvertreter der ersten Generation der Geometrischen Abstraktion.
Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland widmeten sich Kaisers Schaffen. Ihre Arbeiten sind in privaten Sammlungen in ganz Europa, vor allem in Deutschland und Frankreich vertreten.
Maggy Kaiser lebt und arbeitet in Valbonne (Departement Alpes-Maritimes in der Region Provence-Alpes-Côte d‘Azur).
2002 widmete ihr das Haus der Kunst in Carcès (Departement Var in der Region Provence-Alpes-Côte d‘Azur) - das die Künstlerin in den letzten zehn Jahren immer wieder unterstützt hat - eine Retrospektive mit dem Titel „Maggy Kaiser, 50 Jahre Malerei – Wege von der Figuration zur Abstraktion“.
Mit den Bildern in der aktuellen Ausstellung wird quasi ein Höhepunkt dieses Weges zur Abstraktion sichtbar. Alle gezeigten 15 Arbeiten im durchschnittlichen Format von etwa 120 x 90 cm stammen aus den Jahren 2007 bis 2012. Sie markieren eine Art Befreiung für die heute 90jährige Künstlerin, die aus gesundheitlichen Gründen keine Ölfarbe verwendet, sondern mit Acrylfarben arbeitet.
Technisch neu bei diesen Arbeiten ist der gleichmäßige Aufbau des Hintergrundes, wo in gleichen horizontalen, durch Linien bestimmten Abständen kleine wolkenartige Strukturen eingebunden werden, so daß von weitem betrachtet zunächst ein einheitlich erscheinender Malgrund entsteht.
Vor diesem Farbgrund scheinen die Formen, welche zum Teil noch klar umrissen sind, zu schweben. Es ist die an Architekturelemente erinnernde Formenvielfalt, bei denen das Auge des Betrachters versucht, die auseinander geschobenen geometrischen Elemente wieder zusammen zu fügen, ihnen einen optischen Halt zu geben. Aber sie gleiten davon, schweben im Raum, partiell noch verstärkt durch schwarze Konturen, die eine Dreidimensionalität suggerieren.
Durch farbliche Variationen des Leinwandgrundes und mittels kombinierter Versatzstücke erreicht die Künstlerin immer neue Farbeffekte und Bildwirkungen, wobei das Einbringen von farblichen Bögen die Eigendynamik der Formen zusammenhält und verbindet. Linie und Farbe bilden die strukturelle Basis eines jeden Werkes.
In einem Interview hat sich Maggy Kaiser einmal geäußert: „ Ich bewundere Paul Klee.“ Man kann diese Äußerung verstehen, wenn man sich vergegenwärtigt wie Klee nach seiner Tunisreise 1914 fühlte. „Die Farbe hat mich…Sie hat mich für immer…ich und die Farbe sind eins.“ In Klees Elementarsystem während der Dessauer Phase am Bauhaus 1926 war es sein zentrales Anliegen die grundlegende Erfassung der Beziehungen zwischen Linie, Form oder Fläche und Farbe im Bildraum oder innerhalb eines vorgegebenen Musters. Dieses Verlangen nach Balance im Bild teilt er mit Maggy Kaiser.

Michael Wessing

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