Marion Niessing • Neue Arbeiten

Marion Niessing wurde 1956 in Coesfeld geboren. Von 1976 bis 1980 studierte sie an der Fachhochschule Münster, anschließend an der Kunstakademie Münster in der Klasse Professor Gunther Keusen, dessen Meisterschülerin sie wurde. 1985 erhielt sie den Förderpreis der Akademie.


1987 bekam Niessing den Kunstpreis des Landschaftsverbandes Westfalen/Lippe zuerkannt. Es schloß sich ein zweijähriges Graduiertenstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen an. 1988 hatte sie zudem ein einjähriges Atelierstipendium der Stadt Münster.
2005 nahm Marion Niessing am „International Plain-Air Painting Symposium“ in Nida teil. 2008 nutzte sie ein Stipendium vom Rjasan Kunstverein für einen Arbeitsaufenthalt in Kassimov.
2009 nahm sie an der 2. Projektions-Biennale in Bad Rothenfelde teil. Marion Niessing lebt und arbeitet in Münster.


Niessings bevorzugte Technik ist die Gouache. Die Gouache – deren Begriff sich vom Italienischen „guazzo“, die ‚Lache‘ ableitet – ist ein wasserlösliches Farbmittel. Die Grundlage der Farben besteht aus kreidigen, grob vermahlenen Pigmenten und dem Bindemittel Gummi Arabicum. Durch diese Zusammensetzung kann die Gouache sowohl dünn, also lasierend, als auch pastos deckend angewendet werden. Damit vereint sie die Vorzüge der Aquarellfarbe und die der Ölfarbe.


Für Marion Niessing bedeutet das Arbeiten in der Gouache-Technik die reine Malerei auf Papier. Sie läßt Farbpfützen auf den Bildträger fließen und beeinflußt bis zum Zustand des Trocknens die Bildregie.


Durch die stark verdünnte, vielschichtige Farboberfläche wird eine Bildtiefe von ungeahnter Dichte erzeugt. Dabei wird auch das Wellen des Papieres beim Durchtrocknen zur kalkulierten Größe, in dem sich mitunter ein 3-D-Effekt einstellt. Nach dem Trocknen weist die Oberfläche eine samtene, matte Struktur auf, die schon während des Arbeitsprozesses Berücksichtigung findet. Fließspuren des Trocknungsvorgangs sollen bewußt sichtbar bleiben.


Niessing gestaltet bildnerisch offene Naturräume. Es sind weder realistische Wiedergaben von Natur, noch impressionistisch beeinflußte Eindrücke der Natur, sondern vielmehr eine Naturdarstellung um ihrer selbst willen. Somit gibt es auch keine erkennbaren begrenzten Landschaftszonen, sondern ein offenes Landschaftsmotiv, das ohne Unterbrechung vom Vorder- über den Mittel- bis in den Hintergrund hineinreicht. Weder heroisch, noch idyllisch zeigt sich die Landschaft. Der wichtigste Aspekt bei diesen Arbeiten ist, daß im Kopf des Betrachters die Erinnerung, das Jetzt und/oder vielleicht auch die Zukunft abgerufen werden und sich so zu einem hoch individuellen Landschaftsbild verdichten kann.


Lediglich bei einer kleineren Werkgruppe früherer Arbeiten bleibt die Künstlerin einer realistischeren Bildauffassung verhaftet. Im Unterschied zu den einheitlichen Titeln bei den neueren Landschaftsbildern geben in früheren Arbeiten Bildtitel Anhaltspunkte: Botanischer Garten, Möwen, Sockel, Berg, Blumentopf oder Steinbruch.


Auch technisch betrachtet sind diese Arbeiten anders angelegt. Niessing verwendet Ausschnitte aus Filmen oder Fotos, die von einem Tintenstrahldrucker auf DIN A 4-Format ausgedruckt werden. Danach werden mehrere Blätter mittels Kleber zu einer größeren Arbeit montiert. Wo Tinte und Kleber in Kontakt kommen, kommt es zu Verwischungen in der Oberfläche und es ergeben sich zum Teil ähnliche Verläufe wie bei den Landschaftsbildern.


Michael Wessing

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