23. Oktober 2009 - 28. November 2009
 

Hiltrud Schäfer – Neue Arbeiten aus Papier

Hiltrud Schäfer, geboren 1937 in Luckau/Dannenberg, ist seit 1973 als Lehrbeauftragte für
Textilgestaltung an der Universität Osnabrück tätig. Sie lebt und arbeitet in Osnabrück.

Seit 1988 gehört das Papierschöpfen, dessen Technik Schäfer an der Universität Osnabrück
erlernte und durch Studien in Japan intensivierte, zu ihrem künstlerischen Vokabular.
Schwerpunkte der Arbeit sind dabei Objekte und Installationen aus handgeschöpften
Pflanzenpapieren.

„Der Fertigungsprozess“, sagt Hiltrud Schäfer, „wird untrennbar Bestandteil des fertigen
Werkes, indem der Zyklus des Wachsens, des Bearbeitens und der künstlerischen
Transformation in den Objekten sichtbar gemacht wird.“

Bei der Papier-Skulptur „Häute, 2000“ erscheint transparent und fragil wie ein
entmenschlichtes Gewebe der Aufbau der Papierfasern. Der Betrachter wird angeregt, diese
Hülle nach seiner Vorstellungskraft neu zu füllen oder wie ein Anatom Gewesenes zu
erforschen - Vergänglichkeit, Zerfall und Erinnerung.
Der erste Blick auf das Objekt „Schamane 1994“ erweckt den Eindruck eines liturgischen
Gewandes. Neben der Vorstellung eines Chormantels könnte man auch an einen
Krönungsmantel denken, aber durchaus auch an das heidnische Gegenteil erinnert werden,
den Schamanen aus anderen Kulturen, den ewigen Zauberer.
Das robust wirkende Bildobjekt „E.M. Remarque, 1998“, bei dem Elemente aus Blei
eingearbeitet werden, scheint ein erneuter Hinweis auf Veränderlichkeit und Ambivalenz zu
sein, da das Material auf der einen Seite weich und nachgiebig ist, auf der anderen Seite aber
auch als Schutzschirm dienen kann. Die integrierten Zahlenreihen sollen den Betrachter zum
Nachdenken bewegen: sind es Geburtsdaten, Teile einer Codierung, Häftlingsnummern eines
Konzentrationslagers?

Neben Papier, Textilien, Metall und Holz finden auch weitere Zufallsfunde, kleine
Alltagsgegenstände, verbraucht und abgenutzt, Verwendung. So entstehen scheinbar
spielerisch wandbezogene Objekte, die ein neues Eigenleben zu führen scheinen, voller
Phantasie – eine „Poesie der kleinen Dinge“.

Michael Wessing

 
Ausstellung