Berty Skuber • Abacus / Reservoir, 2011
Berty Skuber • Games & Epicycles, 2013

Berty Skuber wurde in Völs am Schlern (Fié allo Sciliar) unweit Bozen, Südtirol geboren, wo sie noch heute auf dem Prakfoler Hof lebt und arbeitet.
Sie besuchte ein Kunstlyzeum und arbeitete in Ateliers von Künstlern wie etwa bei Emilio Vedova (9.8.1919 – 25.10.2006), einem Hauptvertreter der italienischen Informel-Malerei der fünfziger und frühen sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts.
Die multimediale Künstlerin nimmt seit 1969 an zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen teil. Ihre Bücher, Videos, Objekte, Installationen, Skulpturen und Fotos befinden sich in öffentlichen Sammlungen in Österreich, Polen, Frankreich, Italien, den USA, Dänemark und Deutschland.
Durch die Berührung mit der internationalen Fluxus-Bewegung begab sich Berty Skuber seit Mitte der neunziger Jahre bis heute auf den unendlichen Weg einer Jägerin und Sammlerin. Skuber konnte Freunde, Bekannte und auch Fremde in der ganzen Welt einbinden in eine Art kollaboratives Projekt, die ihr die unterschiedlichsten Dinge zusandten, die die Künstlerin vorher mit ihnen thematisiert hatte.
Beispielsweise werden unterschiedliche Labels von Bekleidung, abgetrennt von ihrem Trägermaterial, als kleine kunstvolle Embleme thematisch zusammengestellt, wodurch sie eine neue Ästhetik erreichen.
Nach dem gleichem Gestaltungsprinzip stellt Skuber - nachdem ihr aufgefallen war, wie wenig Frauen auf Briefmarken dargestellt werden - Briefmarkenserien in einen bestimmten Zusammenhang. Die Serie entstand in den Jahren 2004 bis 2008. Namen wie Marilyn Monroe (1926 – 1962), Bessie Coleman (1892 - 1926, die erste Afroamerikanerin mit einem internationalen Pilotenschein), Greta Garbo (1905 – 1990), Lady Di (1961 – 1997) oder Clara Maass (1876 – 1901, eine amerikanische Krankenschwester, die durch freiwillige medizinische Experimente am Gelbfieber starb) seien hier nur stellvertretend genannt.
Ausgangspunkt für andere Kunstwerke ist für Berty Skuber auch die Fotografie. Das Polaroid-Projekt „Abacus/ Reservoir“, aus dem Zeitraum von 2003 bis 2010 dokumentiert in einer Fotoserie die sukzessive Veränderung einer landschaftlichen Gegebenheit in bestimmten Abständen im Verlauf der Jahreszeiten. Das Zusammenstellen dieser Fotos zeigt Abstand zu den Dingen und impliziert eine neue Sehweise altgewohnter Strukturen.
Das Gleiche gilt für ihr Projekt „London: A Poem, 2009“, wo Skuber bei einer Begehung der Stadt London die dort im Asphalt oder in der Pflasterung eingelassenen Schachtdeckel der Kanalisation ablichtete. Durch die serielle Anordnung der Fotos ergibt sich eine ungewohnte Ästhetik für den Betrachter dieser ansonsten unbeachteten Objekte, die man erst bei aufmerksamen Hinschauen entdeckt.
Durch ihre Sammelleidenschaft richtet Berty Skuber ihre Aufmerksamkeit auf die kaleidoskopischen Vorgänge der Außenwelt. Ihr Reservoir, auch „Berty’s Bazaar“ genannt, spiegelt eine elementare Begrifflichkeit von den Dingen wider. Wie in Boxen der Erinnerungen werden in Wechselrahmen oder auch in Form von endlos erscheinenden Leporelli Fragmente aus früheren Arbeiten collagiert. Dabei verwendet sie kleine Schnittmuster – in Erinnerung an ihren Vater, der Maler und Schneider war -, die mit feiner Tusche verändert und umgedeutet werden. Ein ständiges Arbeiten in langlebigen Prozessen.
Die Leporelli wirken wie Tagebucheinträge, manche sind mit dem Titel „Mandalas“ überschrieben. „Mandalas Colors“ von 2013 weist in Aquarelltechnik eng überlagert farbige Strichführungen auf, die wie ein bunter Teppich angelegt sind.
In ihren figuralen und geometrischen Schaubildern des Werkkomplexes „Games & Epicycles“, die meist kreisrund und stets auf ein Zentrum orientiert ausgerichtet sind, schafft es Berty Skuber den Betrachter durch bestimmte Farben und Formen in seiner Psyche anzusprechen und zu stimulieren. Quasi eine Erweiterung des ursprünglichen Gedankens der Mandalas, die das gesamte Universum mit Himmel, Erde und Unterwelt verkörpern. Die frühere Arbeit der Londoner Kanaldeckel zeigt bereits diesen Anreiz.
Auch Fotos, Briefe, Marken, Labels, Zeichnungen sowie Grafiken werden einer kalligrafischen Umarbeitung unterworfen. Skuber spielt mit der Zeichnung, dem Aquarell, der Fotografie, vor allem aber mit der Schrift und der Schriftgrafik, wobei ihr Vorgehen dabei meist assoziativ ist. Im Zusammenspiel der Kompositionselemente entwickelt sich für den Betrachter eine eigene neue Poesie.
Zu den Höhepunkten der künstlerischen Darstellung der epizyklischen Weltsicht von Sonne, Mond und Planeten zählt zweifellos Berty Skubers Teilnahme an der diesjährigen internationalen Lichtkunst-Ausstellung „lichtsicht 4“, der Projektions-Biennale in Bad Rothenfelde, wo sie auf der großen Projektionsfläche des Neuen Gradierwerkes ihre ganzheitliche Betrachtung der Welt offenbart. Zu sehen noch bis zum 5. Januar 2014.

Michael Wessing

skuber 2011

skuber 2013

skuber 2017